Ein Löffelchen voll Zucker

Von Talentfreiheit und Koordinationsproblemen

Es gibt Menschen, die können was. Die sind einfach gut in Dingen. Das war schon in der Grundschule so. Finn-Thorben spielte Gitarre wie ein kleiner Gott, Kathi konnte in der zweiten Klasse schon besser malen, als ich heute und Janine ging 4x die Woche zum Leichtathletik-Training, war Nachwuchstalent und Hoffnungsträgerin und somit in Sport immer die beste.

Ich konnte irgendwie nichts so richtig gut.

Ich hatte 4 Jahre ermüdenden Blockflötenunterricht, bis ich endlich aus den Fängen der langweiligen Holzbläser entfliehen konnte, ohne jedoch über die einfachsten, grundlegendsten Fähigkeiten hinaus gekommen zu sein. Für Schneeflöckchen , Weißröckchen an Heiligabend hat es gerade so gereicht.

Ich war zwar einige Zeit im Chor, singen wollt ihr mich aber trotzdem nicht hören. (Obwohl auf meinem Zeugnis der 2.Klasse folgender Satz stand. „Maria begeistert uns im Musikunterricht stets mit ihrer bezaubernden Stimme.“ Mutti war soooo stolz, ich hab es nicht übers Herz gebracht, ihr zu sagen, dass das auch noch bei 4 anderen Mädchen auf dem Zeugnis stand.)

Tanzen ging auch nicht. Geht bis heute nur unter massivem Alkoholeinfluss. Schach hab ich nicht verstanden und verlieren kann ich sowieso nicht.

Irgendwann war ich sogar mal für ein Jahr in einer Schauspiel-Gruppe am Theater. Ein großes und vor allem loses Mundwerk, sowie ein recht ausgeprägtes Selbstbewusstsein schienen die besten Voraussetzungen für eine große Schauspielkarriere. Leider gab es nicht in jedem Theaterstück eine Prinzessin und somit waren die Rollenangebote einfach nicht nach meinem Geschmack.

Mein Vati, der die Hoffnung auf ein sportlich talentiertes Kind noch nicht aufgegeben hatte, versuchte stets mich mit breitgefächerten Angeboten zur Sportlichkeit zu motivieren. Wer mich einmal hat rennen sehen, wusste, er schlug sich mit einem an Aussichtslosigkeit kaum zu übertreffenden Unterfangen umher. Ich bin der unsportlichste Mensch der Welt. Nicht einfach untrainiert. Nein, wirklich unsportlich. Mir fehlen scheinbar nicht nur ganze Muskelgruppen, sondern es mangelt auch an Koordinationsfähigkeit und Beweglichkeit. Meine motorischen Fähigkeiten sind recht begrenzt. Wie man eine Kletterstange hochkommt, ist ein Riesenmysterium für mich, Reck und Barren verstören mich schon aus mehreren hundert Meter Entfernung und beim Hochsprung bedeutete „hoch“ für mich, auf die Matte hoch zu kommen. Mein Vater probierte es trotzdem weiter. Mit Nischensportarten. Er hoffte, vielleicht sei ein verstecktes Eiskunstlauftalent an mir verloren gegangen und so gingen wir einmal die Woche zum Schlittschuhfahren. Er behauptet heute, ich hätte mich gar nicht schlecht angestellt. Dem kann ich leider keinen Glauben schenken, da ich spätere Besuche der Eisbahn mit Freunden im Winter als sehr erniedrigende und schmerzhafte Erfahrungen gespeichert hab. (Vorwärts gekommen, bin ich nur mir je einer Freundin links und einer rechts.)

Es gibt einen einzigen Sport, den ich wirklich richtig gut kann und das ist Skifahren. Liegt aber daran, dass man mich schon als 4-jährige auf Ski gestellt hat und bei 20 Jahren Erfahrung und Übung könnte das wohl selbst ein Schimpanse.

Ich bin eine schreckliche Radfahrerin, weshalb der Mitbewohner vorsorglich verboten hat, jemals mit dem Kind im Kindersitz Rad zu fahren. (Ich habe nicht mal ein Fahrrad, ich weiß nicht, was er für Fantasien hat.)

Schwimmen kann ich jetzt auch nicht so sonderlich gut, mein rechter Fuß macht dabei immer irgendwas komisches. (Aber hey, ich hab ein Seepferdchen!)

Fassen wir also zusammen:
Ich habe lange Zeit nach verborgenen Talenten gesucht und geforscht, nur um festzustellen, es werden wohl keine mehr auftauchen. Habe mich dann dazu entschlossen, mir selber eins zu erschaffen. Und am Ende ist es doch immer noch so, Übung macht den Meister. Und so hab ich einfach gebacken und gekocht, bis keiner mehr meinen Kuchen essen wollte, um jetzt endlich sagen zu können: „Ey, ich kann was! Ich habe Hausfrauen-Skills, yeah.“

Und das muss jetzt reichen.

Ich drück euch ganz fest. Eure Maria.

8 Comments

  1. Liebe Maria, ich bin gerade zum ersten Mal hier. Und ich muss mal ein bisschen Liebe da lassen. Scheiss auf Tanzen, Chorsingen und Reckspringen! Du kannst schreiben wie eine Meisterin, und da kann der Großteil der Sportlichkeit aller Menschen nicht mithalten! Also setz dir ein Partyhütchen auf, und feiere dein zweites Talent! (Ich bin mir sicher, dass es da noch mehr Skills gibt, aber ich möchte bei meinem ersten Besuch nicht gleich zu viel Wiederstand gegen deinen Text demonstrieren xD)Liebe und feierliche Grüße,Rebecca

  2. Hach, ich finde mich in allem wieder. Ich bin auch ein Körper-Klaus und mein Fuß macht das beim Schwimmen auch! Ich denke das ist die Glücksflosse, die kennen wir ja von Nemo!!! Vielen Dank für ein paar Minuten Lesespass!!! Bitte erhalte Dir Deine ehrliche und humorvolle Art!!! Du machst einfach Spaß!!!

  3. Dein mit Abstand bester Artikel! Super gut und kurzweilig geschrieben! Dein Blog sticht wirklich hervor unter den vielen möchtegernblogs, weil du wirklich schreiben kannst. In dem Sinne : hab noch ein weiteres Talent an dir entdeckt – das Schreiben! 😉

  4. Also bitte, dein tollstes Talent hast du unterschlagen, nämlich dass du Leute zum Lachen bringst! Und das ist so viel mehr wert als Leichtathletik!

  5. Also Schreiben kannst du eindeutig. Ich hab dich vor 2 Wochen auf Instagram entdeckt und hab mich ja fast in dich verliebt ;). Deine Blog- und Instagram – Beiträge sind der Hammer und bringen mich immer so zum Lachen. Ich glaub ich könnt stundenlang von dir lesen!

  6. Ich schließe mich den anderen lieben Menschen hier an: Auch ich erkenne mich in deinem Text wieder und auch ich finde, dass du wundervoll schreiben kannst! 🙂

  7. Liebe Maria, mir fallen mindestens drei andere Supertalente ein, doch eins ganz besonders: Du wirst eine grossartige Mum, welche ihrer kleinen Maus ganz tolle Geschichten erzaehlen kann und wird. #superhousewifeIch finde deinen Blog einfach wunderbar.Bitte mehr davon. Liebste GruessteStephanie

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