Ein Löffelchen voll Zucker

Was einem keiner sagt oder Ist das NORMAL?

Ich hab lange überlegt, was ich euch erzählen könnte, übers Muttersein. Es ist wirklich so, wie es einem vorher erzählt wird und doch ganz anders. Ich könnte euch jetzt einen vorsäuseln von unglaublicher Müdigkeit, herumliegenden Kackwindeln und unbändiger, bedingungsloser Liebe. Kann ich aber auch lassen. Habt ihr alles schon gehört. Gelesen. Oder selbst erlebt. Ich erzähle euch lieber von Dingen, die uns vorher keiner gesagt hat. Also aufgepasst.

1. Babys schlafen am Anfang ständig. Eigentlich immer. Also wirklich. Sie schlafen eigentlich permanent. Es ist nicht notwendig deshalb 3x die Hebamme anzurufen und zu fragen, ob das NORMAL IST. Vor allem nicht sonntags.

2. Die Frage, OB DAS NORMAL IST, stellt man sich sehr viel häufiger, als man zugeben möchte. Oder zugeben sollte. Als angehende Förderpädagogin schämt man sich deshalb jedes Mal ein kleines bisschen mehr und verspricht, das in Zukunft sein zu lassen. Bis das Kind das nächste komische Geräusch von sich gibt. Dann fragt man es sich wieder.

3. „Google ist dein Freund“ gilt nicht für frische Eltern. Auf gar keinen Fall. Google nicht „Baby ruckartige Bewegung Arme krampfartig“. Ruf danach nicht deine Hebamme an. Frag nicht, ob das normal ist. Babys schielen übrigens am Anfang auch ganz arg. Und rollern die Augen gruselig nach hinten. Auch das ist angeblich kein Zeichen für schwindende Lebensgeister.

4. Babys haben es oft schwer mit der Verdauung. Und die Püpse, die nicht rauswollen, tun ihnen weh. Dafür gibt es dann Kümmelzäpfchen, Windsalbe, Paderborner Pupsglobulis und Pupsgymnastik. Kann helfen, muss aber nicht. Ist in jedem Fall aber besser, als nix zu tun und beim Leiden zu zu sehen. Man freut sich plötzlich über einen Pups wie früher über Sommerferien, Weihnachtsgeschenke und den ersten Kuss mit dem neuen Typen. Denn es ist schrecklich und kaum auszuhalten, wenn dem Baby etwas fehlt. Man ist bereit, alles zu tun. Bei einem Schnüpfchen gehst du in die Apotheke, kaufst ein Tübchen, ein Tiegelchen und ein paar Kügelchen und hast soviel ausgegeben, wie ihr sonst für den halben Wocheneinkauf bezahlt. Stört dich aber gar nicht. Dann kann das arme Ding natürlich noch nicht Nase putzen und deshalb muss der Schnodder anders raus. Dafür gibt es Nasensauger. Du kannst wählen zwischen der „Mit-dem-Mund-ansaug-Methode“ oder (und jetzt kommt mein Highlight) dem Aufsatz für den Staubsauger. Ja, richtig gelesen. Und nein, man saugt nicht das Gehirn mit raus. (Hoffe ich.) Näher dich meinem Kind mit dem Saugröhrchen und es wird gebrüllt, bis der Nachbar klopft. Schalt den Staubsauger dazu an und du kannst in aller Ruhe saugen, bis sie wieder atmen kann wie die Menschen in der Wick-Werbung. Verrückte Welt. Pupsglobulis und Nasensauger.

5. Man ist eigentlich permanent in Sorge. Irgendwas ist immer. Zu wenig gekackt. Zu wenig getrunken. Zu viel und zu oft getrunken. Zu wenig geschlafen. Zu lange geschlafen. Ein Pickel. Eine komische Bewegung. Ein komisches Geräusch. Ein irrer Blick. Wenn es gerade keinen Grund zur Sorge gibt, sucht man sich einen. Notfalls kann man sich immer noch fragen, was das werden soll, wenn sie in die Pubertät kommt. Und hoffen, dass sie da nach ihrem Papa kommt.

6. Das Leben mit einem Baby ist nicht so romantisch wie man es sich vorher vorstellt. Nicht nur für das Kind, auch für die Eltern ist es eine Zeit der ersten Male. Für Gewohnheitstiere wie mich ein hartes Los. Und überhaupt, wer hat eigentlich das Wort Kuschelzeit für die ersten Wochen in den Raum geworfen? Mein Baby wollte nicht kuscheln. Schlafen, klar. Aber kuscheln? Die Dinger sind sooo winzig, mit Kuscheln und Knuddeln nach meinen Vorstellungen sollte man da lieber noch ein bisschen warten.

7. Stillen ist ein Arschloch. Von 10 Leuten, die ich gefragt habe, hatten 9 mittelstarke bis welterschütternde Anfangsschwierigkeiten. Die zehnte war meine Mutter. Schwanke noch zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder sie hat gelogen oder ich hatte es einfach schon als Baby voll drauf. Bestimmt letzteres. Habe mich Tag und Nacht gefragt, wie es sein kann, dass die Natur es zwar hinkriegt, dass in mir ein voll funktionstüchtiger kleiner Mensch gewachsen ist, aber seine Ernährung sich so unheimlich kompliziert gestaltet. War oft ziemlich wütend auf die Natur. Himmel, hab ich gekämpft. (Und aus meinen ersten Kampf als Mutti bin ich als Siegerin hervor gegangen. Yay!)

So. Genug für heute. Papa und Kind kommen bestimmt gleich vom Spaziergang zurück und ich muss noch meine Nägel lackieren. Sonst habe ich mein persönliches Tagesziel heut nicht erreicht und das wär schändlich.

Ich führe diese Liste bestimmt bald mal fort.

Ich wünsche euch noch einen tollen Sonntag, ihr Pupsnasen.
Eure Maria

5 Comments

  1. Zu Punkt 3: auf das Schielen und Augen-nach-oben-drehen hat mich auch niemand vorbereitet 😉 Ich fand das seeeehr gruselig…Zu Punkt 7: ich bin eine von denen, bei denen das Stillen von Anfang an sehr gut geklappt hat. In der Klinik war die Stillberatung super und auch meine Tochter hats irgendwie gleich drauf gehabt. Liebe Grüße, Sarah

  2. ich musste so lachen 😀 ohjeeee.. irgendwie glaub ich, dass ich genau gleich wäre! genau so! danke für die Vorinformationen! irgendwann kann ich sie sicher gebrauchen 🙂 hehe..

  3. Es ist so so so toll. Du schreibst diesen Text ich sag mal witzig. Aber man merkt auch das es bestimmt alles andere als einfach ist. Ich ziehe wirklich mein Hut vor dir. Ich folge dir auch auf Instagram und bin einfach von C. ehrlich begeistert. Und wie du sie einkleidest und gleichzeitig siehst du auch trotz wenig Schlaf suuper aus und hast immer ein lächeln auf den Liooen. Liebst, Lauri

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