Ein Löffelchen voll Zucker

Von Teenager-Töchtern und Elternsorgen

Stellt euch mal vor, ihr müsstet einen Tag mit eurem Teenager-Ich verbringen. Ich denke über solchen Quatsch in letzter Zeit öfter nach, da mich oft Gedanken über eine Tochter wachhalten, die auch irgendwann mal ein Teenager sein wird.

Um ehrlich zu sein, packt mich dabei eher die blanke Panik. Ich war eine Teenie-Tussi, wie sie im Buche steht. Platinblonde Haare, viel Glitzer Glitzer, immer ein bisschen zu viel Ausschnitt und immer ein bisschen zu dunkles Make Up. Ich wusste alles besser, war super cool und hab ständig meine Haare so komisch nach hinten gestrichen. Wenn ich mir vorstelle, diese kleine 17-jährige Göre würde jetzt hier auf meiner Couch sitzen, ich würde sie festbinden und ihr den Kopf waschen wollen. Ich würde mich bestimmt maßlos über ihr dämliches Gequatsche aufregen.

An dieser Stelle muss ich mich vor Mutti & Vati verneigen. Wie habt ihr das nur ausgehalten? So zu tun, als könntet ihr mich ernstnehmen? Jahrelang? Während ich mit riesigen Creolen, Glitzerpulli, babykopfgroßer Kronen-Gürtelschnalle und wasserstoffblonden Haaren vor euch saß und euch die Welt erklären wollte? Ich hätte an eurer Stelle nur gelacht. Ihr habt es aber echt hinbekommen, dass ich mich halbwegs ernstgenommen gefühlt hab. Was für eine Meisterleistung! Ich bin da bisher nicht so begabt.

Es fällt mir äußerst schwer, 13-jährigen Hipster-Mädchen, die bei 14 Grad in bauchfreien Pullis (am besten mit riesiger Aufschrift „Whatever?“) rumlaufen nicht zuzurufen: „Mädel, eine Nierenbeckenentzündung tut scheiße weh und außerdem siehst du lächerlich aus. Das trägt doch heut keiner mehr, was soll denn das?“ Ich habe Schwierigkeiten, Jugendliche ernstzunehmen. Wenn sie dann noch anfangen zu reden und das Gespräch immer wieder SEHR unauffällig auf ihren Freund, ihren Exfreund oder die ultracoole Party, auf der sie letztens waren,  lenken wollen, verlier ich die Geduld. Dabei weiß ich doch, wie sich jung sein anfühlt.

Das Mitteilungsbedürfnis war riesig. Noch größer war nur das Geltungsbedürfnis. Jede Woche war etwas anderes cool, es gab keine Kontinuität. Immer schön mit dem Strom schwimmen, aber ganz laut rufen: „Hey, ich bin super individuell.“ Ach, was hab ich angekämpft gegen die Vorurteile, eine blondierte, einfältige Glitzer-Tussi zu sein. Dumm war ich sicher nicht, aber schon so ein bisschen dämlich. War also ein Kampf gegen Windmühlen. Wär meine Tochter heute schon 14, wär sie bestimmt so ein kleines Hipster-Mädchen. Glitzer, Rosa und Blondierungen sind ja heut nicht mehr so cool.

Letztens sind der Mitbewohner und ich von unserem Stadfest gegen 11 nachhause. Da kamen uns recht viele von genau diesen jungen Damen entgegen. Immer in Grüppchen, in denen sie sich glichen, wie ein Ei dem anderen. Wir beide natürlich sofort leicht beunruhigt und mit den gleichen Gedanken im Kopf.

Zumal wir beide in diesem Alter auf genau diesem Fest waren und die Mutti dort das erste Mal von einer Bierbank gefallen ist. (Nicht, dass das öfter passiert wär!!)

Unser Gespräch lief also ungefähr so ab:

Ich: „Oh Gott, gehen die gerade erst hin? Es ist um 11. Die sind doch höchstens 13.“
Er: „Die waren ja halbnackt.“
Ich: „Vielleicht haben wir Glück und in 14 Jahren haben sie das Stadtfest endlich abgeschafft. Geht ja eh nur noch ums Saufen.“
Er: „Was, wieso gerade in 14 Jahren? Da sitzt C. um die Uhrzeit auf meinen Schultern und geht mit uns nachhause!“
So viel zu unseren Vorstellungen vom Leben mit einer Teenager-Tochter. Naja, zum Glück ist bis dahin noch viel Zeit. Und während ich diese Gedanken an mich als Tussi-Teenie und meine künftige Teenie-Tochter jetzt wieder verdränge, versüße ich euch den Tag mit einem Bild von mir aus dem Jahre 2007. Erfreut euch am Elend.
 

Genug gelacht?
Ich drück euch, eure Maria.

11 Comments

  1. Ich habe herzlich gelacht und kann dich so gut verstehen! Ich bin jetzt 26, meine Halbschwester 15. Ich möchte sie manchmal ohrfeigen weil sie einfach nicht hören will.. Es ist so komisch wenn man denkt.. bei mir war das auch mal ähnlich :/ Schlimm. Ganz liebe Grüße,Angi ♥

  2. Haha, ich kenne das. �� ich sitze regelmäßig auf der Arbeit und denke mir "Himmel, wo bist du nur hier gelandet.." (Arbeite genau mit der Altersgruppe) ��

  3. Maria, ich feier dich! 😀 und genau die gleichen gedanken schießen mit auch jedes mal durch den kopf wenn man auf irgendeiner dorf/stadt veranstaltung bzw fest ist 😀

  4. Also ich glaube, meine Eltern hatten riesiges Glück mit uns drei Mädels, wir waren nämlich auch in der Pubertät und im Teenageralter super umgänglich, hatten keine Tussi-, Emo- oder sonstwas Phase und haben uns auch nicht obercool gefühlt :DSollte eine von uns mal Kinder haben, hoffe ich, dass sich das da ähnlich verhält 😉

  5. Das ist so gut Maria 😀 ich habe mich gerade beim letzten Familien-Geburtstag gesehen, als meine Cousine (13) von ihrer grooooßen Liebe schwärmte: "…und später mal, wenn wir Kinder haben….und wenn wir dann mal zusammen wohnen…" Ich hatte echt Schwierigkeiten ihr nicht ins Wort zufallen und zu sagen "Liebes, plan mal lieber erst bis nächsten Sommer" aber ich habe mich zusammengerissen, an meine "erste große Liebe" gedacht und lieber nur ernst nickend zugehört. Wird sie ja (wahrscheinlich) leider selber irgendwann merken, dass es meistens anders kommt. Ein bisschen beneide ich sie aber auch um ihre Traumwelt… ;)Liebste GrüßeLiv

  6. heyyyy 🙂 ich habe jetzt alle beiträge gelesen und muss sagen: toll!!!! freue mich jetzt schon auf viele kommende blogeinträge! ich komme auch aus S-A und kann mich mit vielen dingen identifizieren 😉 zudem ist es wirklich zum schmunzeln. mach weiter so! ich freue mich drauf! liebste grüße, juli (:

  7. Diese und viele andere Phasen kenne ich nur zu gut von meiner großen Schwester als sie in der Pubertät war. Ich war zum Glück nur halb so schlimm, wenn überhaupt. Ich weiß denke auch warum 🙂 Folge dir übrigens seit einigen Tagen bei Insta und finde deinen Blog auch ziemlich schnieke! Würde mich außerdem auch über einige "Beauty" Beiträge freuen

  8. Der Beitrag spricht mir aus der Seele. An mir sind (un)glücklicherweise die ganzen Phasen an mir vorbei gezogen. Ich denke so sowas gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens einfach dazu. Wichtig ist nur das man sich weiterentwickelt. Fühle dich gedrückt. Ihr werdet die coolsten Eltern der Welt!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.